Sonntag, 29. Mai 2011

Stars und Sternchen an Himmelfahrt

Mit dabei in der Sendung am kommenden Donnerstag sind »Indie»Künstler von Rang und Namen wie Death Cab for Cutie, Stereolab, The Sea and Cake, The Feelies und Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder. Wie immer ganz viel Neues und wie immer eine bunte Mischung: Von Folk-Pop mit Kopf und Herz über das hip-hoppige Album des Monats bis hin zu rückwärtsgaloppierender Electronica und zurück. Einen Ukulelen-Song gibt's auch.

Zu hören Donnerstag 2. Juni von 23 bis 24 Uhr beim Gelben Tango auf Radio LeineHertz.

Donnerstag, 19. Mai 2011

PLAYLIST VOM 19. MAI

1ntro) Coldplay - Talk
2) Kraftwerk - Computer Liebe
Dass 'Talk', einer der größten Hits der britischen Stadionrocker Coldplay, die Melodie aus Kraftwerks 'Computer Liebe' enthält, ist in den Medien irgendwie immer ein wenig untergegangen. Auch US-Rapstar Jay-Z bediente sich für seinen schon etwas älteren Hit 'Sunshine' bei Kraftwerk, und zwar beim Song 'Mensch-Maschine'. Soll zeigen: Keine andere deutsche Band kann von sich behaupten so einflussreich zu sein wie die Düsseldorfer.
Als sich Kraftwerk 1970 gründeten, bildeten sie mit ihrer "industrialisierten Volksmusik" (so die Eigenbezeichnung) einen krassen Gegenentwurf zur zeitgenössischen deutschen Schlagermusik. Während die kühl wirkende technische Musik mit den beinahe emotionslos vorgetragenen Textfragmenten im Ausland als "typisch deutsch" galt und Kraftwerk dort bald Kultstatus bescherte, war das Ganze vielen Deutschen womöglich zu deutsch. Hierzulande seien Kraftwerk "eher belächelt" worden, erinnert sich Ralf Hütter, der als einziger aus der Originalbesetzung verblieben ist. "Wir mussten sogar Tourneen absagen, weil keiner zu den Konzerten kam. Mit unserem Album 'Autobahn' sind wir nach Frankreich, in die USA, nach England. Dort wurde es damals besser verstanden." Bis heute scheint sich daran nicht wirklich etwas geändert zu haben: Eine Kollegin fragte mich kürzlich, als gerade Kraftwerk lief, ob das ein "Kompositionsprogramm" sei...
Durch ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der elektronischen Musik zählen Kraftwerk zu den wichtigsten Bands der Musikgeschichte, ihr Erbe ist gewaltig: David Bowie, Daft Punk, Depeche Mode, Radiohead, Nine Inch Nails, Dr. Dre, Rammstein, ja sogar die Sex Pistols - in allen Bereichen der Pop- und Rockmusik haben Kraftwerk ihre Spuren hinterlassen. Die Entstehung neuer Musikrichtungen wie Techno oder auch Hip Hop wurde durch Kraftwerk maßgeblich beeinflusst. Nicht nur Kraftwerks Musik war visionär, sondern auch die Texte. "Automat und Telespiel / leiten heut' die Zukunft ein / Computer für den Kleinbetrieb / Computer für das Eigenheim", sangen Kraftwerk auf dem Album Computerwelt - vor dreißig Jahren wohlgemerkt!!!

3) 31Knots - Candles on open water
4) Tu Fawning - Hand grenade
Joe Haege ist zur Zeit ein vielbeschäftigter Mann: Letztes Jahr war der 31Knots-Gitarrist Dauertourgast bei Menomena, Anfang 2011 brachte er das Debütalbum seines Nebenprojekts Tu Fawning heraus ('Hearts on hold', VÖ: 14.01.). Seine Hauptband 31Knots, die bereits seit Mitte der 90er Jahre besteht, lag derart lange auf Eis, dass bereits über eine Auflösung des Trios aus Portland gemunkelt worden war. Doch nach drei Jahren Abstinenz erschien Anfang Mai nun ein neues 31Knots-Album. Welches - bedingt durch den Tu-Fawning-Tourstress - innerhalb weniger Tage im Kasten sein musste. Das Ergebnis auf "Trump Harm" (VÖ 06.05.) ist wie gewohnt schwer zu kategorisieren. "Weshalb ihre musikalischen Zwischenwelten (...) derart verrückt, klar und überaus gehaltvoll klingen," fragt sich Plattentests, "bleibt auch auf 'Trump Harm' ein echtes Rätsel."
Mit Tu Fawning wird Haege übrigens am Samstag 23. Juli zu Gast im Cafe Glocksee sein, der Gelbe Tango wird euch aber rechtzeitig noch einmal daran erinnern.

5) Modest Mouse - Gravity rides everything
Der Song erschien im Jahr 2000 auf "The Moon & Antarctica", die erste Modest-Mouse-Veröffentlichung auf Epic Records. Der Wechsel zum 'Major Label' (Epic gehört zu Sony Music Entertainment, eine der vier großen Plattenfirmen) war Modest Mouse keinen Deut anzuhören. Verschrobener Indie-Rock vom Feinsten, Pitchfork vergab mit 9.8 gar beinahe die Höchstpunktzahl - eine so hohe Bewertung gibt's bei den kritischen Pitchforkern äußerst selten. Mit über 500.000 verkauften Einheiten in den Vereinigten Staaten bekamen Modest Mouse für "The Moon & Antarctica" eine Goldene Schallplatte. Mit dem Nachfolgealbum "Good news for people who love bad news" wurde die Band um Frontmann Isaac Brock gar mit Platin ausgezeichnet: Mehr als 1.500.000 Exemplare wurden davon in den USA verkauft.
Die 1993 gegründete Band aus dem Nordwesten der USA benannte sich übrigens nach einer Textzeile aus "Das Mal an der Wand" der britischen Schrifstellerin Virginia Woolf.

6) The Dope - OK Babe
Der Konzerttipp beim Gelben Tango: The Dope spielen am Freitag 27. Mai im Cafe Glocksee.
Bevor jemand Böses denkt: The Dope, wohinter zwei junge Männer mit den so urbayerischen Namen Rudi Maier und Franz Neugebauer stecken, benannten sich nach dem mecklenburgischen Naturschutzgebiet Döpe - so jedenfalls die offizielle Version. "Into the Woods" heißt das Debütalbum der züchtigen Naturburschen, ist Ende 2010 erschienen und wurde gemastert von Tobias Siebert (der - so ganz nebenbei - mit seiner großartigen Band Klez.E auch längst überfällig ist für einen Auftritt beim Gelben Tango). 
The Dope, deren krachiger Indie-Rock an Modest Mouse oder auch Sebadoh erinnert, spielten dieses Jahr bereits als Support von The Pains of being pure at Heart und März-Album-des-Monats-Titelträger Yuck. Und nächste Woche in der Glocksee - hingehen!!

7) Glacier (of Maine) - Third Place
Tocotronic-Gitarrist Rick McPhail wurde unsterblich gemacht, als ihm die Hamburger Kollegen von Tomte vor über zehn Jahren ein Lied widmeten. "Du bist kein Mensch, du bist heilig (...) Ich rauche, solange Rick McPhail raucht", sang der ehemalige Tocotronic-Roadie Thees Uhlmann in 'The Rick McPhail Song'.
Während das erste Album von McPhails Nebenprojekt Glacier - das neuerdings dessen US-Heimatstaat Maine als (eingeklammerten) Zusatz im Bandnamen trägt - noch beim Berliner Label Staatsakt erschien, nutzt der Exil-Amerikaner für "Above and beside me" neue Vertriebs- und Vermarktungswege. Da wäre zum einen der Eigenvertrieb ohne Label. Zum anderen die Möglichkeit des kostenlosen Downloads im Internet. Und für die selten gewordene Spezies der CD- und Plattenkäufer gibt's spezielle Kaufanreize. So bekommt man beim Kauf der CD eine LP-Hülle dazu, versehen mit dem Hinweis: "Achtung! CD Version ist auch im Plattencover! Ich weiß, es ist nervig aber welche welcher ist kann man fühlen. Grüße, Rick."
Ach, auch die Musik sollte an dieser Stelle natürlich nicht zu kurz kommen. Der Musikexpress schreibt: "Gleich im ersten Song schlendert die Band hinter einem hypnotischen Rhythmus her, als hätte Neil Young die alten Kumpels von Crazy Horse mal wieder auf die Spuren des Mörders Cortez geschickt. Später wimmern und wummern die Gitarren schön psychedelisch, Pink Floyd schauen vorbei, Radiohead trinken noch einen Tee. Die Stimmung ist melancholisch, das Tempo ist moderat und McPhail singt unspektakulär, aber effektiv. Manchmal lässt er die Gitarre auch aufjaulen, oder er setzt sich mit ihr ans Lagerfeuer. Nahezu systematisch erforscht er die Faszination der Rockmusik, ohne sich auch nur einen Moment in deren allzu ausgelutschte Klischees zu flüchten. Das muss man auch erstmal hinkriegen."

8) Thurston Moore - Circulation
1981 gründete Thurston Moore in New York mit seiner späteren (und immer noch) Ehefrau Kim Gordon die heute legendäre Noise-Rock-Band Sonic Youth, die übrigens maßgeblichen Anteil daran hatte, den auch von dieser Sendung genutzten »Indie»Begriff zu prägen. Mit "Demolished Thoughts" bringt der mittlerweile 52-Jährige am morgigen Freitag (20.05.) sein nunmehr viertes Soloalbum heraus. Produziert wurde das von Beck (Hansen), der mit seinem einstigen Riesenhit "Loser" dem einen oder anderen noch aus guten alten MTV-Zeiten bekannt sein dürfte. Bei dem Song "Circulation", einer der schnelleren Stücke des Albums, spielt Beck übrigens selbst mit.

9) 13 & God - Armored Scarves
10) 13 & God - Oldage
Das Zweitwerk des transatlantischen Projekts 13 & God ist das Album des Monats Mai beim Gelben Tango.
13 & God ist eine Kollaboration der bayerischen Indietronic-Pioniere The Notwist mit der kalifornischen Band Themselves vom Avantgarde-Hip-Hop-Label Anticon. Die beiden Bands lernten sich 2004 auf einer US-Tour kennen, erste Früchte der Zusammenarbeit wurden im Frühjahr 2005 veröffentlicht. Seitdem gingen satte sechs Jahre ins Land, in der Zwischenzeit veröffentlichten The Notwist ein neues Studioalbum, einen Filmsoundtrack und widmeten sich ihren so zahlreichen Nebenprojekten wie Lali Puna, Console oder zuletzt dem Tied & Tickled Trio. Trotz dieser Geschäftigkeit schafften es die Weilheimer, sich ein weiteres Mal mit - Achtung: Wortwitz - Themselves zusammenzusetzen. Das neue 13 & God-Album, das am 6. Mai erschienen ist, heißt "Own your ghost" und wird als Album des Monats in der nächsten Sendung ein weiteres Mal zu hören sein.

11) Wild Beasts - End come too soon
12) Wild Beasts - Loop the loop
Mit "Two Dancers" waren die Wild Beasts letztes Jahr nominiert für den Mercury Prize, mit dem alljährlich das beste britische Album ausgezeichnet wird. Mit ihrem Drittwerk "Smother" (VÖ: 06.05.) setzen die Wild Beasts sogar noch einen drauf, findet der Autor dieser Zeilen. In Berichten über die Wild Beasts ist oft von Talk Talk oder Antony Hegarty zu lesen, doch die Band aus einem kleinen Örtchen im Nordwesten Englands vereehrt eher The Smiths und noch mehr Kate Bush. "Tatsächlich könnte man einem Tauben ihr neues Album 'Smother' als tollkühne Kreuzung aus dem poetischen Gestus der Smiths, dem perkussiven Kosmos der Kate Bush und der Stimme von Antony & The Johnsons beschreiben", schreibt der Musikexpress und folgert: "Ein gewagter Cocktail, der nicht jedem schmeckt." Als Nebenwirkung dieses Cocktails kann Gänsehaut auftreten, warnt der Gelbe Tango. Auch der SPIEGEL ist voll des Lobes: Die Wild Beasts haben "ganz leise, ganz behutsam, ganz unauffällig das ekstatischste Pop-Album dieses frühen Sommers herausgebracht."

13) Bill Callahan - Honeymoon Child (Daytrotter Session)
Die Ende April entstandene Daytrotter Session von Bill Callahan kann man sich hier kostenlos herunterladen - und außerdem Aufnahmen von vielen anderen angesagten Bands und Interpreten wie The National, Foals oder Vampire Weekend. Bei den Daytrotter Sessions handelt es sich um kurze Gigs von Künstlern, die gerade auf der Durchreise sind durch Rock Island, wo sich das Daytrotter-Studio befindet. Und ja, der Ort (der zwei bis drei Autostunden westlich von Chicago liegt) heißt wirklich Rock Island - was für ein passender Name für Rock'n'Roll, wa!? :-D
Bill Callahans neuestes Album, das ganz hervorragende "Apocalypse" (VÖ: 08.04.), war vor vier Wochen beim Gelben Tango zu hören. Der Song "Honeymoon Child" stammt aus dem 2007 erschienenen "Woke on a Whaleheart".

Nächste Sendung am 2. Juni um 23 Uhr.

Sonntag, 15. Mai 2011

Am Donnerstag erfahrt ihr...

...woher die Stadionrocker Coldplay ihre tollen Melodien haben (z.B. aus Düsseldorf - und nein, mit dem gestrigen ESC hat das nichts zu tun ;) und es wird der Frage nachgegangen, ob 31 Knoten irgendwie 13 & Gott ergeben. Zweifellos erwartet euch ein göttliches neues Album des Monats und ein von zwei Bayern aufgeputschter Konzerttipp. Außerdem dreht sich die Sendung um bescheidene wilde Bestien, wilde bescheidene Mäuse, nordamerikanische Exil-Gletscher und mecklenburgische Naturschutzgebiete. 

Zu hören kommenden Donnerstag (19. Mai) von 23 bis 24 Uhr beim Gelben Tango auf Radio LeineHertz.

Donnerstag, 5. Mai 2011

PLAYLIST VOM 5. MAI

1) Ja, Panik - Modern Life is War
2) Ja, Panik - Suicide 
"Ein besseres, beängstigenderes, ja, bedeutsameres deutschsprachiges Album wird es dieses Jahr kaum noch geben", schreibt der DER SPIEGEL über das vierte Album von Ja, Panik und vergibt mit 10 Punkten die Höchstwertung. Plattentests stimmt zu: "Kaum vorstellbar, dass da in nächster Zeit ein spannungsreicheres Stück Popmusik in deutscher Sprache kommen wird." Obwohl [Klugscheißmodus an]: Deutschsprachig ist das Album streng genommen nicht wirklich. Es stammt vielmehr von einer deutschsprachigen Band, die aus Österreich kommt, in Berlin lebt und sich in einem Germanaustriaenglishkauderwelsch artikuliert. Wie auch immer [Klugscheißmodus aus], DMD KIU LIDT (VÖ 15.04.) ist das Album des Monats April beim Gelben Tango.

3) Spacemen 3 - Walkin' with Jesus
Kultstatus erlangten die Spacemen 3 - gegründet 1982 in der englischen Kleinstadt Rugby - mit ihrem minimalistischen psychedelischen Spacerock. Namhafte »Indie»Bands wie Primal Scream, Mogwai, The Flaming Lips, Yo La Tengo oder auch Hot Chip benennen die Band um Frontmann Jason Pierce alias J. Spaceman als wichtigen Einfluss. Berühmt-berüchtigt waren die Spacemen 3 auch durch ihren exzessiven Drogenkonsum, der sicherlich seinen Teil zur Trennung beitrug. Aus den Spacemen 3 ging Anfang der 90er Jahre die von Pierce ins Leben gerufene und noch heute existierende Nachfolgeband Spiritualized hervor. "Walkin' with Jesus", die erste Spacemen-3-Single, ist auf dem 1986 veröffentlichten Album "Sound of Confusion" zu finden.

4) Moon Duo - Run around
Das Moon Duo besteht aus der Keyboarderin Sanae Yamada sowie dem Gitarristen Ripley Johnson, der mit seiner Hauptband Wooden Shjips bereits seit einigen Jahren psychedelischen Spacerock macht. Das aus San Francisco stammende Moon Duo besticht durch seine psychedelische Monotonie - eine Monotonie, die nicht langweilig ist, sondern an die repetitive Minimalistik der Düsseldorfer Krautrocker Neu! anknüpft und elegant die Brücke schlägt zum Spacerock der Spacemen 3. Ihr ganz großartiges Debütalbum "Mazes" ist seit 1. April im Handel.

5) Crystal Stilts - Flying into the Sun
Crystal Antlers, Crystal Castles, Crystal Fighters, Crystal Method... Bands mit "Crystal" vorneweg scheinen momentan wie Pilze aus dem Boden zu sprießen - Verwechslungsgefahr garantiert. Nun also die Crystal Stilts. Ähnlich wie das Moon Duo sind auch die Crystal Stilts eine Band, die sich ganz bewusst auf große Bands der Vergangenheit bezieht, ohne dabei wie Abklatsch zu wirken. Das zweite Album "In Love with Oblivion" des Brooklyner Quintetts ist am 15. April erschienen.

6) Vivian Girls - Vanishing of Time
Intro bezeichnet die Musik der Vivian Girls als "nachdenklichen Gitarren-Reverb-Zauber-Pop für die Sommerwiese". Oder wie wär's mit Lo-Fi-Gitarrenschrammel-Noisepop oder so ähnlich!? "Wir sind definitiv keine Lo-Fi-Band", betonten die Vivian Girls letzten Sommer in einem Interview mit Dorfdisco. "Wir haben alle unsere Songs in richtigen Studios aufgenommen und viel Arbeit reingesteckt. Wir haben halt unsere eigene Vorstellung davon, wie wir klingen wollen, was unser Sound ist. Das mag für manche Menschen nach Lo-Fi klingen, ist aber unsere Art mit Musik umzugehen." Das dritte Album des All-Girl-Trios aus Brooklyn trägt den Titel "Share the Joy" und ist am 15. März veröffentlich worden.

7) Fleet Foxes - Sim Sala Bim
Über die Fleet Foxes ist zur Zeit viel zu lesen. Mit ihrem Debütalbum verzauberten die "Singenden Bärte" aus der ehemaligen Grunge-Hochburg Seattle vor drei Jahren die Indie-Szene und Feuilletons. Auch auf dem zweiten Album weiß der Hippie-Retrosound noch zu überzeugen. "Helplessness Blues" (VÖ 29.04.) klingt wie eine Mischung aus den Beach Boys und der Folk-Rock-Supergroup Crosby, Stills, Nash & Young. Bleibt noch die Frage, wie das Album zu seinem Titel kam: "One of the prevailing themes of the album is the struggle between who you are and who you want to be or who you want to end up being and how sometimes you are the only thing getting in the way of that", erklärt Sänger Robin Pecknold, der fast zwanzig Jahre nach Woodstock auf die Welt kam, obwohl er durch seinen Vollbart gar nicht ganz so jung aussieht.

8) Lou Reed - Satellite of Love
Bekannt wurde Lou Reed als Frontmann von Velvet Underground, eine der einflussreichsten Bands der Rockgeschichte. Nach seinem Ausstieg bei Velvet Underground machte Reed ab 1971 solo Karriere. Mit seinem zweiten Album "Transformer", produziert von David Bowie und Mick Ronson, schaffte Reed ein Jahr später den großen Durchbruch. Neben "Satellite of Love" befindet sich der Welthit "Walk on the wild side" auf dem Album. Auch thematisch sorgte Reed mit Transformer für Schlagzeilen: Die Texte handeln von New Yorks Unterwelt - von Drogensucht, Prostitution und Transsexualität. Passend dazu zieren das Artwork der Platte eine Drag Queen und ein - aus heutiger Sicht klischeehafter - Homosexueller mit Ledermütze und einer sich unter der hautengen Jeans abzeichnenden Riesenerektion.

9) Ja, Panik - Run from the ones that say I love you
Nochmal das Gelber-Tango-April-Album-des-Monats: DMD KIU LIDT - das spricht sich übrigens Di-Em-Di-Quiu-Lit und steht für Die Manifestation des Kapitalismus in unseren Leben ist die Traurigkeit. "Für den Kapitalismus spricht, dass manche seiner Opfer ihre Traurigkeit in Kunst verwandeln", kommentiert Spex den Titel des Albums augenzwinkernd im Hinblick auf die Genialität Ja, Paniks.

10) Hans Unstern - Paris
Ja, Panik gründeten letztes Jahr "Nein, Gelassenheit" als Sublabel ihres Labels Staatsakt. Im April 2010 erschien auf Nein, Gelassenheit das großartige Debütalbum "Kratz dich raus" des Berliner Liedermachers Hans Unstern. Vielleicht das beste deutschsprachige Album 2010, ein "vertontes Roadmovie" wie Spex schrieb. Anspieltipp: Endlos Endlos, das mit seinem dissonanten Harfengezirpe an Joanna Newsom erinnert.

11) James Pants - Strange Girl
Ob der Künstlername James Pants ein Wortspiel sein soll (»James' Pants) oder eine tiefere Bedeutung hat, konnte ich leider nicht herausfinden. Sondern nur, dass James Pants eigentlich James Singleton heißt. Seine vielseitigen musikalischen Einflüsse reichen von Elektro über New-Wave-Synthie-Pop, Funk und Soul bis hin zu Postpunk und Shoegaze. Das selbstbetitelte Album, das mit seinem roten Jewelcase im Plattenladen nicht zu übersehen ist, erschien letzten Freitag (29.04.).

12) TV on the Radio - Killer Crane
"Sunshine I saw you through the hanging vine / All memory of what was mine fading away / And as night heals the ground / And the moonlight steals the sound / I could leave suddenly unafraid", lautet es in der tieftraurigen Ballade "Killer Crane" wie ein Vorbote auf den Tod von Bassist Gerard Smith, der am 20. April im Alter von nur 36 Jahren einem Lungenkrebsleiden erlag. "Nine Types of Light", das fünfte TVOTR-Album, war wenige Tage zuvor erschienen. "And after all / We're free to fall / Once all the pain goes / And how we stood / And what was good / Could last so long." Gerard Smith - R.I.P.

13) Banjo or Freakout - Idiot Rain
Mit Remixen und Coverversionen von Bloc Party, Burial und Wild Beasts machte Banjo or Freakout erstmals auf sich aufmerksam. Im März erschien nun das wunderbare Debütalbum des Ein-Mann-Projekts, hinter dem der in London lebende Italiener Alessio Natalizia steckt, der so ziemlich alle Instrumente selbst eingespielt hat. Produziert wurde das Album von Nicolas Vernhes, der bereits mit bekannten Indie-Bands wie Animal Collective und den Dirty Projectors zusammengearbeitet hat.

14) Explosions in the Sky - Let me back in
Nach vier Jahren Abstinenz haben Explosions in the Sky am 22. April mit "Take care, take care, take care" ihr sechstes Studioalbum veröffentlicht. Und das ist - man kennt es auch nicht anders von den texanischen Postrockern, die sich selbst übrigens nicht als Postrock-Band bezeichnen - Postrock vom Feinsten. Man könnte behaupten die Musik sei vorhersehbar und womöglich gar ein alter Hut, gibt Pitchfork zu Bedenken und beschreibt EITS als letzte wahre Vertreter des "turn-of-the-century post-rock". Aber: "The simple fact is that Explosions in the Sky are very good at this particular thing." Auch Plattentests bescheinigt dem Album eine Tiefe, welche vielen Postrock-Platten der letzten Jahre und Monate fehlte. Es lasse schwarze Löcher entstehen, die den Hörer verschlucken - "falls er sich der schieren Schönheit und Impulsivität empfänglich zeigt."

Hintergrundtrack:
Das Notwist-Nebenprojekt Tied & Tickled Trio and Billy Hart mit dem Song Calaca (aus dem Album "La Place Demon", erschienen im 1. April bei Morr Music) 

Nächste Sendung am 19. Mai um 23 Uhr.

Sonntag, 1. Mai 2011

Philosophisch wird's Donnerstag...

...beim Gelben Tango: Raum und Zeit. Sonne, Mond, (Un)Sterne. Satelliten. Ein bisschen Sim Sala Bim. Idiotischer Regen und impulsive Explosionen. Walkin' with Jesus oder Run from the ones that say I love you? Ja, Panik oder Nein, Gelassenheit?! Berlin, Brooklyn oder Paris? Und was haben James' Hosen, seltsame Mädels und Freakouts damit zu tun? Häh, fragt ihr euch?! Auflösung gibt's am Donnerstag (5.5.) ab 23 Uhr auf Radio LeineHertz 106einhalb und hier auf dieser Seite. Philosophisch wird's auch nicht wirklich - aber gute Musik, die kann ich euch versprechen...

Donnerstag, 21. April 2011

PLAYLIST VOM 21. APRIL

1) Yuck - Shook down
Yuck ist ein kindlicher Ausdruck, der soviel heißt wie "bäh" oder "igitt". Igittigitt ist an Yucks unbetitelten Erstwerk (VÖ: 22.04.) so rein gar nichts, nicht umsonst ist es das Album des Monats März beim Gelben Tango geworden. Der Musikexpress schreibt in seiner aktuellen Ausgabe: "Meist donnert und bratzt und brettert dieses Debütalbum, dass es eine wahre Pracht ist und man Angst haben muss, die Augen aufzumachen und plötzlich ist es wieder 1987. Die Helden, denen Yuck huldigen, allen voran Dinosaur Jr., sind so überdeutlich zu hören, dass man niemandem böse sein kann. Höchstens der Globalisierung, die daran schuld sein mag, dass so definitiv amerikanischer Indie-Rock mit Folk-Wurzeln neuerdings nicht mehr aus einer Garage im Mittleren Westen kommt, sondern aus London."

2) The Pains of being pure at Heart - Too tough
Auch The Pains of being pure at Heart und ihr neues Album "Belong" (VÖ: 25.03.) hatten wir schon in der Sendung, auch hier bedienen wir uns der Worte anderer: "Belong ist in seiner emotionalen Schwere, seiner Dichtheit und Eingängigkeit fantastisch", so Intro. "Dass so mancher Refrain ('Even in dreams I could not betray you') ein bisschen flach daherkommt, stört spätestens beim neunten Hören nicht mehr. Im Gegenteil: Die pophistorische Nostalgie der Beinahe-Jugendlichen aus New York wirkt hierdurch sogar noch authentischer. Fan-Werden kann manchmal so leicht sein."

3) My bloody Valentine - What you want
Wenn man bei plattentests nach My bloody Valentine sucht, findet man dort zwar kein einziges Album der irischen Shoegaze-Legenden - zu lange ist die letzte Veröffentlichung her. Was man jedoch findet sind Referenzen, und das en masse: 346 Treffer, darunter eben auch Yuck und The Pains of being pure at Heart. Das zeigt, wie einflussreich MBV sind, obwohl diese nur zwei Alben veröffentlicht haben.
Mit ihrem zweiten Album Loveless (1991), aus dem der Song "What you want" stammt, setzten My bloody Valentine laut Brian Eno einen neuen Maßstab für Pop-Musik: "It's the vaguest music ever to have been a hit." MBV-Mastermind Kevin Shields, bekannt als übereifriger Perfektionist, arbeitete über zwei Jahre an Loveless, das zu den drei Lieblingsalben von The-Cure-Frontmann Robert Smith zählt.

4) The Monochrome Set - He's Frank
5) The Monochrome Set - Apocalypso
Der Konzerttipp des Gelben Tango: Die britischen Post-Punk-Helden The Monochrome Set spielen am morgigen Freitag in der Sturmglocke.
Aus einer kurzlebigen College-Band namens B-Sides gingen 1977/1978 Adam & the Ants sowie The Monochrome Set hervor. Während Adam & the Ants zu UK-Chartstürmern wurden, waren auch The Monochrome Set in London eine ganz große Nummer - nur die Charterfolge blieben aus. So hangelte man sich von Plattenvertrag zu Plattenvertrag, 1985 folgte die Auflösung. Zwischen 1990 und 1998 und ab Ende der nuller Jahre begann die Band, die interessanterweise eine große Anhängerschaft in Japan hat, wieder auf Tour zu gehen.
Zu den prominentesten Fans gehören übrigens Franz-Ferdinand-Frontmann Alex Kapranos sowie Morrissey und Johnny Marr, die sich durch ihre gemeinsame Leidenschaft für The Monochrome Set kennenlernten und kurz darauf The Smiths gründeten. "He's Frank" war die erste Monochrome-Set-Single und wurde 1979 bei dem bekannten Londoner Label Rough Trade veröffentlicht. "Apocalypso" erschien ein Jahr später - bereits bei einer anderen Plattenfirma.

6) Bill Callahan - Drover
Der 1966 im US-Bundesstaat Maryland geborene Singer-Songwriter machte seine erste Aufnahmen auf einfachen Vier-Spur-Rekordern und prägte damit das sogenannte Lo-Fi-Genre. Seit 1993 ist Callahan unter Vertrag bei dem Chicagoer Indie-Label Drag City (bei dem andere namhafte Indie-Interpreten wie Pavement, Silver Jews, Will Oldham oder Joanna Newsom ihre Werke veröffentlicht haben). Zunächst unter dem Pseudonym "Smog" und später unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte Bill Callahan mehr als ein Dutzend Studioalben. Das Neueste trägt den Titel "Apocalypse", steht seit 8. April in den Plattenläden - und ist ganz großes Kino.

7) Joanna Newsom - Soft as chalk
Mit seiner über fünfzehn Jahre jüngeren Drag-City-Labelkollegin Joanna Newsom hatte Bill Callahan einst eine Liaison. Für Klatschblätter und Paparazzi war das »Indie»Pärchen nicht interessant genug, von daher ist nicht viel bekannt über die Liebelei der beiden. Was auch nicht weiter schlimm ist. Fest steht jedoch: Die beiden sind kein Paar mehr. Und, was vor allem relevant ist für den Gelben Tango: Gemeinsame Musik scheint nicht entstanden zu sein. Schade. Wie wunderbar (wenn vielleicht auch schmalzig) doch ein verliebtes Duett der beiden gewesen wäre. Hach. Naja, dafür hat die zauberhafte Joanna nach ihrem 2006 erschienenen Meisterwerk "Ys" letztes Jahr ein über zweistündiges Dreifach(!!!)album nachgelegt. Das heißt "Have one on me" und beherbergt den wunderbaren Song "Soft as chalk". Entschädigung genug.

8) Eveline - Last Time at Alpha Centauri
Vor zwei Wochen zu Gast im Café Glocksee, jetzt mit ihrem neuen Album auch beim Gelben Tango zu hören. Die Musik der vier Italiener ist schwer zu beschreiben, eine Rezension auf musikreviews.de trifft es ganz gut: "Eher schon entdeckt man (...) Stoner-Elemente, Psychedelic-Rock-Orgeln, Jazzkonstruktionen, Indie- und Artpop-Gesten, Industrial-Konturen und Elektronika, und doch findet sich im Ganzen etwas derart Formloses wieder, dass man es weder Rock noch Pop noch Jazz nennen möchte." Evelines drittes Album namens "Alphaomega" ist am 25. März erschienen. Der gespielte Song bezieht sich auf das 1971 erschienene Album "Alpha Centauri" der Berliner Elektronikpioniere Tangerine Dream.

9) Tangerine Dream - Cloudburst Flight
Tangerine Dream formierten sich 1967 in West-Berlin und hatten 1968 inmitten der aufkommenden Studentenbewegung ihren ersten Auftritt an der Technischen Universität Berlin. Tangerine Dream etablierten sich zunächst als Krautrock-Band, wandten sich dann aber zunehmend der Elektronik zu. "Wo man früher Gitarristen, Bassisten und nen Schlagzeuger gesehen hat, sitzt da auf einmal einer mit tausend Kabeln so rumgesteckt", erinnert sich Klaus Schulze, der zu Beginn kurz Mitglied bei Tangerine Dream gewesen war und später auf Solopfaden mit über 60 Veröffentlichungen sehr geschäftig war. "Da laufen Lichter, die blinken. Und das macht der ganz allein. Eine Stunde lang macht der ein Stück. Und das bringt dich natürlich in Trance. (...) Aber es hatte für uns nichts mit hochgeistiger oder meditativer Sache zu tun. Es war einfach unser neues Musikgefühl, unsere neue Möglichkeit, eine andere Musik zu schaffen. Und wir haben schon Spaß daran gehabt."
Mit ihren elektronischen Klanglandschaften erschloss die Band um Edgar Froese (Gründer und einziges ständiges Mitglied von Tangerine Dream) vor allem in England ein größeres Publikum. Das Album "Phaedra", ihr erstes bei Virgin Records, schaffte es 1974 auf einen beachtlichen Platz 15 der UK-Charts. Noch wichtiger als die Charterfolge ist jedoch Tangerine Dreams musikhistorischer Einfluss. Namhafte Interpreten wie Radiohead, Porcupine Tree und DJ Shadow sind von der "Berliner Schule" maßgeblich beeinflusst worden, außerdem legten Tangerine Dream den Grundstein für Trance und Ambient. Fünf bei Virgin Records erschienene Werke wurden Anfang des Jahres zusammen mit Bonusmaterial in dem Boxset "The Virgin Years: 1974-1978" wiederveröffentlicht. Der Song "Cloudburst Flight" stammt aus dem 1979 erschienenen "Force Majeure".

10) Ja, Panik - Nevermind
11) Ja, Panik - The Horror
ADM ABG TIN ist DMD KIU LIDT - alles klar!? :-D
ADM ABG TIN = Album des Monats April bei Gelber Tango »Indie» Nacht
DMD KIU LIDT = Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit (VÖ: 15.04.) - auch wenn man sich bei Ja, Panik nie wirklich sicher sein kann, ob das wirklich stimmt oder nur ein Marketinggag sein soll. Das CD-Booklet, das sprachinvers verfasst ist (die englisch gesungenen Texte stehen dort auf deutsch und umgekehrt), liefert in den Lyrics des Titeltracks folgende Definitionen für DMD KIU LIDT:
Und jetzt ist dort nichts, wo ich immer gegessen habe, außer DMD KIU LIDT. *** Ich befürchte das ist nichts anderes als der alte, schmutzige Trick, du weißt schon DMD KIU LIDT. *** Das ist kein Abenteuer, nicht einmal ein Ausflug, das ist DMD KIU LIDT. *** Du glaubst du fühlst dich übel wegen all dieser Nächte, aber es ist nur DMD KIU LIDT. *** Es gibt nichts was ich machen kann, alles was ich mache, mache ich zugunsten von DMD KIU LIDT. *** Nichts konnte rein gar nichts ändern, außer DMD KIU LIDT. *** Da ist ein Feuer, das ich entfacht habe, es heißt DMD KIU LIDT. *** Du siehst irgendwie verliebt aus, aber eigentlich auch krank, ich bin mir sicher du schläfst mit DMD KIU LIDT. *** Also greife ich zu meiner Gitarre um ihr den Schlager zu singen, ihr wisst schon DMD KIU LIDT.
"Aber Stefan: Nevermind." 

12) Metronomy - The Look
Was die Electropopper Metronomy angeht, geht es mir ähnlich wie einem amazon-Kundenrezensenten, der jüngst gestand, dass ihm Metronomy im Zuge der Unmengen von gehypten Indie-Rock-Pop-Bands der letzten Jahre aus dem Vereinigten Königreich und sonst woher irgendwie am Allerwertesten vorbeigegangen seien. Bisher. Denn was man Metronomy-Mastermind Joseph Mouth zugute halten muss: Metronomy bleiben nicht auf der Stelle stehen und scheinen sich stetig weiterzuentwickeln. Mittlerweile hören sich Metronomy wie eine richtige Band an - und der neue "Look" vermag dem Gelben Tango zu gefallen. Das dritte Metronomy-Album namens "The English Riviera" ist am 15. April erschienen.

13) My First Trumpet - Dipl. Link
Der Hamburger Kevin Hammann ist bekannt als ClickClickDecker und noch bekannter als eine Hälfte des Audiolith-Elektropunk-Duos Bratze. 2007 hatte Hammann Lust auf etwas anderes als das, was er als ClickClickDecker und bei Bratze macht, und experimentierte bei sich Zuhause ein wenig herum. Das Ergebnis dieser "Bedroom Production" wurde über das Internetlabel Aerotone veröffentlicht. Das Projekt nennt (bzw. nannte) sich My First Trumpet, das Album trägt den Titel Frerk - "leichtfüßig, nachdenklich und voller traumwandlerischer Harmonien, weiß aber auch gezielt platziert Disharmonien zu streuen und sich selbst wieder in Einzelteile zu zerlegen", schreibt flamingyouth.de.

Hintergrundtrack:
Live Footage - Fatherado (aus "Willow Be", erschienen im Februar 2011)

Nächste Sendung am 5. Mai um 23 Uhr.

Dienstag, 19. April 2011

Gelber Tango am Grünen Donnerstag

Kaum zu glauben, aber am kommenden Gründonnerstag wird zum allerersten Mal der Gelbe Tango mit einer deutschsprachigen Band getanzt - das wurde auch höchste Zeit, was!? Euch erwartet das brandneue April-Album-des-Monats, Indie-Retrosound und die entsprechenden Originale, ein wunderbares »Indie»Pärchen, das leider keines mehr ist - und ein verheuschnupfter Moderator ;)

Wann? Donnerstag, 21. April von 23 bis 24 Uhr
Wo? Wie immer auf Radio LeineHertz 106einhalb» (<-- Klick zum Live-Stream)
Warum? Weil Freitag frei ist und das eine gute Möglichkeit ist, sich von feiner »Indie»Musik »indie» Nacht begleiten zu lassen.

Donnerstag, 7. April 2011

PLAYLIST VOM 7. APRIL

1) Bibio - Anything new
Der englische Produzent Stephen Wilkinson ist zwar eigentlich Metalfan, veröffentlicht unter dem Pseudonym Bibio jedoch vollkommen andere Musik. Bibios Musik wird oft als "Folktronica" bezeicht, hat aber weitaus mehr zu bieten hat als nur Folk und Electronica. Vielmehr ist sie ein Schmelztiegel aus unglaublich vielen verschiedenen musikalischen Einflüssen. Sein Einstandsalbum bei Warp Records, "Ambivalence Avenue", war eines der großen Meisterwerke des Jahres 2009. Am 1. April erschien das Nachfolgewerk "Mind bokeh", von dem der Track "Anything new" stammt.

2) Toro Y Moi - Go with you
Ein Künstler, bei dem es durchaus Parallelen zu Bibio gibt, ist Chazwick Bundick alias Toro Y Moi. Seine Musik wird meist als "Chillwave" kategorisiert, eine Mischung aus New-Wave-Synthie-Pop und chilliger Psychedelia, oft mit Lo-Fi-Sound produziert. Doch ebenso wie Bibio lässt sich auch Toro Y Moi nicht eine Schublade stecken: Seine Musik ist mehr als Chillwave, sein am 11. März veröffentlichtes Zweitwerk "Underneath the Pine" hat starke Funk- und Disco-Einflüsse und bietet allerlei zum Entdecken. Ein tolles Kopfhöreralbum als Soundtrack zum Frühling.

3) The Pains of being pure at Heart - Strange
"Belong", das Nachfolgewerk des großartigen 2009er Debütalbums der Pains of being pure at Heart, enttäuscht nicht. Erneut verzaubern die vier New Yorker mit zuckersüßem "Twee Pop" und eingängigen Ohrwürmer wie dem Song "Heart in your Heartbreaks", der selbst nach dem x-ten Hördurchgang noch Spaß macht. Der Song "Strange", der an die irische Shoegazeband My bloody Valentine erinnert, bildet den krönenden Abschluss des Albums, das am 25. März herausgekommen ist.

4) The Cure - 2 Late
Die Lieblingsband des Gelben Tango: The Cure. Der Song "2 Late" entstand 1989 im Zuge der Aufnahmen von Disintegration. Das achte Studioalbum der Band um Robert Smith wurde mit Hits wie "Lullaby", "Fascination Street", "Lovesong" und "Pictures of you" zur bestverkauften The-Cure-Platte, obwohl die Plattenfirma ob des düsteren Sounds "kommerziellen Selbstmord" - sprich: einen Riesenflop - erwartet hatte. Dass der wunderbare Song "2 Late" keinen Platz auf dem Album fand, sondern eine B-Seite vom Lovesong wurde, erklärt Robert Smith so: "I was so sure it would be a single, but very early on in the recording sessions 'Disintegration' took on a life of its own, and '2 Late' just never seemed to fit in."

5) Papercuts - Charades
"Teen Dream" vom Dreampop-Duo Beach House aus Baltimore gehörte zu den Alben des Jahres 2010 des Gelben Tango. Bands, die den wunderbar-verträumten Sound von Beach House aufgreifen wollten, gab es seitdem so einige, doch kaum einer gelingt das so gut wie den Papercuts aus San Francisco, deren neues Album "Fading Parade" am 4. März bei Sub Pop erschienen ist. "Zehn watteweiche Dreampop-Songs über die Zwischenmenschlichkeit", schwärmt Intro. "Manche mögen dies alles als nichtssagend, gar beliebig abtun. Uns verliebten Träumern kann das aber egal sein, wir bedanken uns vielmehr für eine große Platte voller Gefühl, die uns sicher durchs Jahr begleiten wird." So ist es.

6) The Luyas - I need mirrors
Verschrobener Indie-Pop aus Kanada, woher auch sonst!? Unterstützung bekommen The Luyas, die wie Arcade Fire aus der Musikmetropole Montreal kommen, auf ihrem zweiten Album (VÖ 25.02.) von Owen Pallett und Sarah Neufeld. Der fantastische Owen Pallett schrieb für das Album alle Arrangements und begleitet sechs der zehn Songs mit seiner Geige. Neufeld, die bei Arcade Fire Violinistin ist, spielt bei dem Titeltrack "Too beautiful to work" mit.

7) Home Video - You will know what to do
In der Rezension des neuen Radiohead-Albums stellt der Musikexpress fest, dass dieses "Zwitterwesen aus mikroelektronischen Bestandteilen und Songs" namens Radiohead erstaunlicherweise kein Opfer von "Epigonen- und Kopistentum" geworden sei. Tja, wie steht's nun mit Home Video, jener Zwei-Mann-Band aus Brooklyn, die seine ersten Gehversuche bei Warp Records machte und deren Songs laut wikipedia schon in US-Serien wie "O.C., California", "Private Practice", "Grey's Anatomy", "Gossip Girl" und "CSI" liefen?!
Radiohead-Abklatsch?! Oder hat hier, wie plattentests erörtert, eine Band den Paradigmenwechsel von "OK Computer" zu "Kid A" sorgfältig herausgearbeitet!? Dass Collin Ruffino wie der unbekannte Zwillingsbruder von Thom Yorke klingt, hat plattentests nicht davon abgehalten, das neue Album "The automatic process" (VÖ 04.03.) mit neun von zehn Punkten zu bewerten. Was denkt ihr!?

8) Yuck - Suicide Policeman
Das Album des Monats März beim Gelben Tango. Die Band aus London ist multinational: Bei einem Besuch in seiner Heimat Israel lernte Sänger Daniel Blumberg den aus New Jersey stammenden Schlagzeuger Johnny Rogoff kennen, der in Israel ein Jahr als Kibbutz-Volontär verbrachte. Bassistin Mariko Doi kommt aus Hiroshima. Yuck spielten bereits als Support von Dinosaur Jr. und Teenage Fanclub - und klingen auch so. Das unbetitelte Debütalbum erscheint in Deutschland am 22. April.

9) Norman Palm - In the city
Konzerttipp #1: Norman Palm am morgigen 8. April im Café Glocksee.
"Singer-Songwriter-Rave-Pop", natürlich mit Gitarre, aber auch viel stimmungsvoller Elektronik. Mit Coverversionen von "Girls just wanna have fun" und "Boys don't cry" machte der gebürtige Meppener und Wahl-Berliner vor vier Jahren erstmals auf sich aufmerksam. Mittlerweile steht er bei dem großartigen Indie-Label City Slang unter Vertrag und hat dort letztes Jahr sein zweites Album "Shore to shore" veröffentlicht. Seine Songs handeln oft von seiner Fernbeziehung nach Mexiko-Stadt. Der Song "In the city" stammt von dem 2008 erschienenen Debütwerk "Songs".

10) The Ex & Tortoise - The Lawn of the Limp
Konzerttipp #2: The Ex spielen nächste Woche Freitag, 15. April, in Indiego Glocksee.
Über The Ex, die laut plattentests für das musikalische Ansehen der Niederlande in etwa so wichtig sind wie Kraftwerk oder The Notwist für das deutsche, wurde in der Sendung bereits einiges erzählt. Also nächste Woche ab in die Glocksee, schon alleine um sich ein lebendiges Stück Musikgeschichte anzuschauen...
Tortoise, mit denen The Ex 1998 ein gemeinsames Album aufnahmen, sind eine Postrock-Band aus Chicago. Falsch: Die UR-Postrock-Band und das Aushängeschild des New Yorker Indie-Labels Thrill Jockey. Tortoise gingen mit ihrem experimentellen Postrock - ihrer sehr eigenen Mischung aus Krautrock, minimalistischer Electronica und Jazz -  schon immer ungewöhnliche Wege. Und genau das verbindet Tortoise mit The Ex.

11) Ghostpoet - Liiines (Demo Version)
Experimenteller Hip Hop, der ohne die die üblichen billigen Rap-Klischees auskommt. Der aus Nigeria stammende und in London ansässige Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet liefert mit "Peanut Butter Blues and Melancholy Jam" ein erstaunlich reifes Debütalbum (VÖ: 25.02.). Irgendwo zwischen The Roots, Flying Lotus, Tricky/Massive Attack, The Streets, Nicolas Jaar und Gonjasufi. Selbst Hip-Hop-Muffel sollten hier mal reinhören...

12) J Mascis - Is it done
Dass J Mascis, Mastermind der Indie-Schrammelrock-Helden Dinosaur Jr., auch die ruhigen Töne beherrscht, beweist er auf "Several shades of why" (VÖ: 18.03.). Ein großartiges Singer-Songwriter-Album, dessen karge Soundlandschaften an Nick Drake erinnern. Prominente, auf dem Album allerdings nur sehr dezent anklingende Unterstützung bekam Mascis von Ben Bridwell (Band of Horses), Kevin Drew (Broken Social Scene), Sophie Trudeau (Godspeed You! Black Emperor) und Kurt Vile, dessen neues Album am 17. März beim Gelben Tango zu hören war.

13) Dinosaur Jr - I don't wanna go there
In einer Hardcore-Punk-Band spielten J Mascis (der sich übrigens 'mass-kiss ausspricht) und Lou Barlow, bevor sie 1984 Dinosaur gründeten. Erst 1987 hängten sie das "Jr." an den Bandnamen - gezwungenermaßen, da "The Dinosaurs" ihre Namensrechte verletzt sahen und gegen Mascis und Barlow geklagt hatten. Zu diesem Zeitpunkt waren Dinosaur Jr. als Tour-Support von Sonic Youth bereits einem größeren Publikum bekannt geworden und in aller Munde, äh Ohren. Mit ihrem charakteristischen Mix aus Garage, Punk, Grunge und Noise, aber auch eingänigen Melodien wurden Dinosaur Jr. zu Indie-Legenden. "I don't wanna go there" stammt aus dem 2009er Album "Farm", über das der Rolling Stone schrieb: "The glorious noise every garage band dreams of making." Jau. 

14) Codes in the Clouds - Cold calls
Auf dem tollen Label "Erased Tapes", bei dem u.a. auch Nils Frahm und Ólafur Arnalds unter Vertrag stehen, wurde Anfang 2011 das zweite Album der britischen Postrocker Codes in the Clouds veröffentlicht. Gemastert wurde "As the Spirit wanes" von Nils Frahm und herausgekommen ist ein wunderschönes Postrock-Album, das stark erinnert an Explosions in the Sky, die ihrerseits im April ein weiteres Album herausbringen. Zu hören bald beim Gelben Tango.

15) Toro Y Moi - Divina
Als kleines unangekündigtes Outro»indie»Nacht - um die 60-minütige Sendezeit auch komplett auszunutzen - ein weiterer Song vom neuen Toro-Y-Moi-Album.

Hintergrundmusik: 
Nils Frahm & Anne Müller - diverse Tracks vom Album "7fingers", das am 11. März auf "Erased Tapes" erschienen ist.

Nächste Sendung am 21. April um 23 Uhr.

Sonntag, 3. April 2011

Eine bunte Indie-Tüte erwartet euch...

...am Donnerstag beim Gelben Tango: Electronica und Psychedelia, Funk und Punk, Twee Pop und Postrock, Postpunk und Folktronica, Chillwave und Shoegaze, Singer und Songwriter, Dream Pop und sogar eine Prise Hip Hop, verschrobenen Indie-Pop und schrammeligen Indie-Rock. Bestimmt für jeden etwas dabei und mit einem ganzen Stapel Neuvorstellungen im Gepäck.

Das alles sowie das Album des Monats, zwei Konzerttipps und die Premiere meiner Lieblingsband, juhu: Kommenden Donnerstag, 7. April, von 23 bis 24 Uhr bei Gelber Tango »Indie» Nacht auf Radio LeineHertz 106einhalb.

Donnerstag, 24. März 2011

Juhu, die Facebook-Seite hat jetzt 25»Fans»

...und muss deshalb keine ellenlange sechsdutzendstellige URL mehr mit sich herumschleppen, sondern ist ab sofort kurz und knapp zu erreichen unter:
.........................................................................................
www.facebook.com/gelbertango106.5
( oder ganz einfach rechts auf den Link klicken) 
......................................................................................... 
Übrigens: Da der 31. März ein Donnerstag sein wird - der fünfte Donnerstag im März -, hat der Gelbe Tango eine Woche länger Pause als gewohnt. Die nächste Sendung erwartet euch auf den heutigen Tag genau in zwei Wochen. Dafür dann mit gaaaanz vielen tollen Neuvorstellungen. Also schonmal den 7. April vormerken, wie immer von 23 bis 24 Uhr auf Radio LeineHertz 106einhalb - und für alle Nicht-Hannoveraner wie gewohnt auch im Live-Stream zu hören.

Donnerstag, 17. März 2011

PLAYLIST VOM 17. MÄRZ

1) Galaxie 500 - Instrumental
Die Bostoner "Traumsymphoniker" Galaxie 500, schrieb DER SPIEGEL vor ziemlich genau einem Jahr, gehörten zu jenen Bands, die zwar überall als kapitaler Einfluss herhalten müssten, aber kaum noch gehört würden. Letzteres dürfte sich seit letztem Jahr zumindest ein wenig geändert haben, als nämlich die drei Galaxie-500-Alben aus den Jahren 1988, 1989 und 1990 zusammen mit reichlich Bonusmaterial wiederveröffentlicht wurden. Das schlicht und einfach mit "Instrumental" betitelte Instrumentalstück stammt vom Debütalbum "Today".

2) Junip - In every direction
Bereits 1998 gründete José Gonzalez mit zwei Schulfreunden die Band Junip. Dann machte Gonzalez plötzlich als Solokünstler Karriere, seine Songs wurden in der auch hierzulande populären US-Serie "O.C., California" gespielt und sein großartiges Cover vom The-Knife-Song "Heartbeats" lief in einem TV-Werbespot rauf und runter. Zwischendurch, 2004, fand Gonzalez etwas Zeit, um mit Junip die Black Refuge EP aufzunehmen. Bis zum Debütalbum "Fields", das im September 2010 beim Berliner Label City Slang erschien, dauerte es weitere sechs Jahre. Mit ihrem hypnotischen Sound werden die drei Schweden beim Bootboohook-Festival im August Hannover verzaubern.

3) The Rural Alberta Advantage - The Breakup
Im musikbegeisterten Toronto eilte The Rural Alberta Advantage, gegründet 2005, lange Zeit der Ruf als beste kanadische Band ohne Plattenvertrag voraus. Das änderte sich, als das namhafte US-Indie-Label Saddle Creek die Folk-Rocker 2009 unter Vertrag nahm. Saddle Creek brachte das Debütalbum "Hometowns" als Re-Issue nochmal heraus und legt nun das Folgewerk "Departing" (VÖ 04.03.) nach. Für Freunde von rumpeligem Indierock, popverliebtem Folk und nervösen Zuckungen, schreibt plattentests.de.

4) Radiohead - Codex
Kurz und knapp, nur mit den Worten "Thank you for waiting..." und versehen mit einem kryptischen Link, kündigten Radiohead am Valentinstag via Twitter ihr neues Album an. Ein paar Tage später konnte man "The King of Limbs" offiziell herunterladen, in den Plattenläden wird es ab dem 25. März zu haben sein. Das Album enthält radioheadtypische elektronische Songs und ist dabei oft sehr perkussiv, zwischendurch werden aber auch ruhigere Töne angeschlagen, so wie in der Klavierballade "Codex". Eines steht fest: In den Jahresbestenlisten wird "The King of Limbs" sicherlich wieder überall auf den vorderen Rängen zu finden sein - und das völlig zurecht.

5) Nils Frahm - Said and done
Der Konzerttipp vom Gelben Tango: Nils Frahm spielt am 31. März im Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge!!
"Totally blown away by the most beautiful concert", schwärmte die dänische Band Sleep Party People nach einem Nils-Frahm-Auftritt und ergänzte: "You really have to see this guy on stage... unbelievable!!" Also auf in die S-Bahn nach Neustadt...
Neben dem Berliner Pianisten mit Tschaikowsky-Hintergrund wird die New Yorker Electronica-Band "Live Footage" auftreten. Und vielleicht geben Frahm und Live Footage ja auch gemeinsam auf der Bühne etwas zum Besten, man darf gespannt sein. Alle weiteren Informationen zu "Feinkosts Schlossbesuch" findet ihr hier.

6) Genesis - Supper's Ready / Ikhnaton and Itsacon and Their Band of Merry Men 
Mit über 150 Millionen verkauften Alben und Welthits wie "Invisible Touch" und "I can't dance" gehören Genesis zu den kommerziell erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Durch die vielen Jahre, in denen Genesis radiotauglichen Pop-Rock fabrizierten, geriet ein wenig in Vergessenheit, dass die Band um Peter Gabriel (damals Sänger der Band) und Phil Collins (damals noch am Schlagzeug) in den 70ern zu den einflussreichsten Progressive-Rock-Bands zählte. Das 1972 erschienene Album "Foxtrot", dessen Abschluss der 23-minütige Monumentalsong "Supper's ready" bildet, gilt als Meilenstein der Rockgeschichte und ist ein Grund dafür, dass Genesis 2010 in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen wurden.

7) Wye Oak - Civilian
Bis vor zehn Jahren war eine mächtige cirka 500 Jahre alte Eiche das Wahrzeichen des US-Bundesstaates Maryland. 2002 fiel die altersschwache "Wye Oak" tragisch einem Sturm zum Opfer. Eine zweiköpfige Mann-Frau-Band aus Baltimore, der größten Stadt in Maryland, griff den Namen vor fünf Jahren auf und veröffentlichte nun ihr mittlerweile drittes Album (VÖ 04.03.) - eine wunderbare Mischung aus noisigem Folk und Dream Pop. 

8) Kurt Vile - Smoke Ring for my Halo
Als Soundtrack zum Müßiggang wird Kurt Viles neuestes Werk von Intro bezeichnet: Der entspannte Folk-Pop mit Anleihen an den klassisch-amerikanischen Rock-Kanon lade zum Füße hochlegen ein. Der 30-jährige Songwriter aus Philadelphia, der früher Mitglied bei "The War on Drugs" war, liefert mit "Smoke Ring for my Halo" sein mittlerweile viertes Album ab, das seit dem 4. März in den Plattenläden steht.

9) 65daysofstatic - A Failsafe
Als Support von The Cure durften 65daysofstatic aus dem britischen Sheffield 2008 die Welt bereisen. Die Postrocker mit einer Affinität fürs Elektronische gehören zu den bedeutendsten Bands ihres Genres. Die Band verbindet harte, progressive, gitarrenlastige Instrumentalmusik mit Schlagzeug und gesampelten Off-Beat-Drums im Stile von Aphex Twin, ist auf wikipedia nachzulesen. "A Failsafe" stammt aus dem dritten Album "The destruction of small ideas", das 2007 erschien.

10) Yuck - Get away
11) Yuck - Rose gives a lilly
Dass sich die Songs von Yuck anhören wie Sonic Youth, Dinosaur Jr., My bloody Valentine, Yo La Tengo, Teenage Fanclub oder auch Galaxie 500 könnte man zum Anlass nehmen, über die junge Band zu spotten. Von der Internetgemeinde wurden Yuck kurzerhand schon - wenn auch mit einem wohlwollenden Augenzwinkern - umgetauft, zum Beispiel in Sonic Yuck, My Yucky Valentine, Yuck la Tengo oder Teenage Fanyuck. Obwohl man alles von Yuck irgendwie schonmal gehört zu haben scheint, beherrscht das Quintett aus London sein Handwerk und liefert mit seinem unbetitelten Erstwerk (Deutschland-VÖ 22.04.) ein Album, das sehr vielseitig ist und einfach Spaß macht. Und weil Yuck klingen wie das Who's Who des Indie-Rock, ohne dabei Abklatsch zu sein, haben sie gleich mal die Auszeichnung zum Album des Monats März beim Gelben Tango abgeräumt und sich damit für die nächste Sendung am 7. April qualifiziert.

12) Red House Painters - New Jersey
Yuck bezeichnen die Red House Painters als prägenden Einfluss auf ihre Musik. Die Band von Mark Kozelek zählt zu den Großmeistern des Sadcore - eine Musikrichtung mit reduzierten, oftmals düster-melancholischen und um sich selbst kreisenden Melodien. Nach ihrem sechsten Album lösten sich die Red House Painters 2001 auf, Kozelek gründete kurz darauf Sun Kil Moon, deren Musik stilistisch nahtlos an die der Red House Painters anknüpft. Der Song "New Jersey" stammt aus dem zweiten RHP-Album aus dem Jahr 1993.

13) 13 & God - Perfect Speed
Die Weilheimer Indie-Ikonen The Notwist sind bekannt dafür, unendlich viele Nebenprojekte zu betreiben. Eines davon, Console, lief kürzlich schon beim Gelben Tango. 13 & God ist eine Notwist-Kollaboration mit der kalifornischen Band Themselves vom Avantgarde-Hip-Hop-Label Anticon. Die beiden Bands lernten sich 2004 auf einer US-Tour kennen, die Früchte der Zusammenarbeit wurden im Frühjahr 2005 veröffentlicht. Seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen und es schien so, als würde 13 & God eine einmalige Zusammenarbeit bleiben. Dem ist nicht so: Im Mai erscheint das Zweitwerk des transatlantischen Projekts.

14) Lambchop - National Talk like a Pirate Day
Die Alternative-Country-Band aus der Country-Hochburg Nashville sorgte vor drei Jahren für Schlagzeilen, als sie ihr zehntes Studioalbum "OH (Ohio)" dem Rolling-Stone-Magazin beilegen ließ. Damit erschloss das mehr als zehnköpfige Kollektiv um Sänger Kurt Wagner auch in Deutschland ein etwas größeres Publikum und gehört zu den Zugpferden des (meiner Meinung nach) besten deutschen Indie-Labels City Slang, das kürzlich seinen 20. Geburtstag feierte.

15) Yo La Tengo - Return to Hot Chicken
Da noch etwas Zeit war als kleines Outro»indie»Nacht: Das Intro von Yo La Tengos 1997 erschienenen Album "I can hear your Heart beating as one".

Hintergrundmusik: 
Kreidler - diverse Tracks vom neuen Album "Tank", das am 4. März erschienen ist.
Die Düsseldorf Band tritt im Sommer gleich zweimal in Hannover auf: Am 26. Juni im Rahmen des Festival Theaterformen vom Niedersächsischen Staatstheater und im August beim Bootboohook auf dem Faust-Gelände.
   
Nächste Sendung am 7. April um 23 Uhr.

Sonntag, 13. März 2011

Am Donnerstag mit galaktischen Klängen...

...aus den 80ern -- mit der Frage, ob auch Klassik »Indie» sein kann -- mit einem klassischen Konzerttipp, einem klassischen-Indie-Rock-Album-des-Monats und einem großartigen neuen Album von Radiohead, das das Zeug zum Klassiker hat (wie eigentlich alles von Radiohead) -- mit einer schwedischen Band, die wegen der Solokarriere ihres Sängers über zehn Jahre brauchte um ihr Debütalbum aufzunehmen und die im August in Hannover beim Bootboohook auftreten wird -- mit kleinen Schätzen von der Plattenbörse im Pavillon -- und mit artrockenden Jungspunden, aus denen eine der weltweit bekanntesten Popbands wurde...

Das alles und noch viel mehr: Kommenden Donnerstag von 23 bis 24 Uhr bei Gelber Tango »Indie» Nacht auf Radio LeineHertz.